Drei kleine Ringträger

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Es ist soweit: Unsere drei Küken aus Kasten 3, unserem Lucky Number 3 Kasten, sind jetzt offiziell registrierte Stuttgarter. Heute war Ilona vom Nabu Ostfildern bei uns und hat alle drei beringt. Mit ihren knapp vier Wochen waren sie genau im richtigen Alter dafür.

Für alle, die sich jetzt fragen, was das eigentlich genau bedeutet: Jeder Ring trägt einen zweistelligen Buchstabencode, der für die Vogelart steht (Mauersegler haben die SX), gefolgt von einer Nummer, die weltweit nur einmal vergeben wird. Mit dieser Kombination ist jeder unserer drei Kleinen ab sofort eindeutig identifizierbar, ein Leben lang, egal wo auf der Welt er später einmal kontrolliert oder leider auch tot aufgefunden wird.

Mauersegler Küken mit Ring

Man sieht auf dem Foto schön, wie klein und leicht so ein Ring ist. Er stört den Vogel nicht beim Fliegen, beim Brüten oder bei irgendetwas anderem in seinem Leben. Er sitzt einfach am Bein, fertig.

Warum tut man das überhaupt?

Das haben wir uns am Anfang auch gefragt. Wir lieben diese Tiere, wir beobachten sie täglich mit unseren Kameras, und dann kommt jemand und nimmt sie in die Hand, um ihnen etwas ans Bein zu klemmen. Stört man die Tiere damit nicht unnötig?

Die Antwort ist ein klares Jein. Ja, es ist ein kurzer Stress für den Vogel. Aber er dauert nur wenige Minuten, ist für die Tiere ungefährlich und richtig ausgeführt hinterlässt er keine Spuren außer dem Ring selbst. Und im Gegenzug bekommt man etwas zurück, das ohne diese kleine Störung gar nicht möglich wäre: Wissen.

Nur durch Beringung lässt sich zum Beispiel herausfinden, wie alt ein Mauersegler werden kann, ob er Jahr für Jahr in denselben Kasten zurückkehrt oder ob unsere Jungvögel später vielleicht in einer ganz anderen Stadt brüten. Jeder Ringfund irgendwo auf der Welt liefert ein winziges Puzzleteil zu einem viel größeren Bild. Man könnte auch sagen: Wir stören die Tiere ein kleines bisschen, damit wir sie und ihre Art langfristig besser verstehen und schützen können. Im Dienste der Wissenschaft, und damit letztlich im Dienste der Mauersegler selbst.

Der Altvogel, der sich wehrte

Ein weiteres Highlight des Abends war die Beringung eines Altvogels. Unser Weibchen aus Kasten 1. Erwachsene Mauersegler in der Hand zu haben ist eine echte Seltenheit. Die Tiere landen ja praktisch nie, und genau deshalb gelingt es nur selten, einen zu fangen. Heute hat es geklappt, und Ilona konnte auch ihr einen Ring anlegen.

Mauersegler in Hand

Begeistert von der Aktion war die Mauersegler-Dame allerdings nicht. Während Ilona sie vorsichtig hielt, um den Ring anzulegen, hat sie sich ordentlich gewehrt und ihr eine ihrer scharfen Krallen direkt in den Finger gebohrt. Und zwar so, dass es geblutet hat.

Ilona hat das ganz cool weggesteckt, so etwas gehört für sie offenbar zum Ehrenamtsrisiko dazu. Für uns war es trotzdem ein Bild, das zeigt, wie wehrhaft so ein kleiner Vogel sein kann, wenn er sich bedroht fühlt. Respekt für so viel Mut auf so wenigen Gramm Körpergewicht.

Und der Rest der Kolonie?

Die beiden Küken aus Kasten 1, die Kinder unserer tapferen Kämpferin, sind noch zu jung für ihre Ringe. Das Gleiche gilt für unsere drei Küken aus Kasten 15. Ilona wird aber wiederkommen, sobald auch sie das richtige Alter erreicht haben. Bis dahin wachsen sie erstmal in Ruhe weiter.

Wir bedanken uns bei Ilona für ihren Einsatz, ihre Geduld und ihre Bereitschaft, sich dafür auch mal in den Finger krallen zu lassen. Unsere drei Kleinen aus Kasten 3 sind jetzt jedenfalls bereit für ihr großes Abenteuer, das in ein paar Wochen beginnt: der erste Flug, und damit der Start in ein Leben, das für die nächsten Jahre fast ausschließlich in der Luft stattfinden wird.

Wir bleiben dran. 🪶

Hier noch ein paar Fotos von der Aktion


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